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Show BLUE MAN GROUP: Interview mit den Gründern
Matt Goldman, Chris Wink und Phil Stanton begannen 1987 in der New Yorker Künstlerszene mit ihren Aufsehen erregenden
kreativen Projekten. Ihre erste BLUE MAN GROUP-Show im Astor Place
Theatre gewann den Tony Award und markierte die Geburt der amerikanischen Kultshow. Inzwischen spielt
BLUE MAN GROUP neben New York in Boston, Chicago, Las Vegas -
und seit Mai 2004 auch in Berlin.
Was ist die "BLUE MAN GROUP"?
Matt Goldman: Das ist sicherlich eine der schwierigsten Fragen, denn diese Show kann nicht in eine
spezifische Kategorie eingeordnet werden. Die Show besteht aus so vielen verschiedenen Dingen: Aus Musik, Comedy und
Wissenschaft. Es ist ein Spektakel, es ist Technologie, es ist eine tiefe, körperliche Schönheit, mit Farbe, die aus
unseren Trommelfellen läuft. Eine nonverbale Ausdrucksform; der "Blue Man" drückt seine Gefühle aus und ist tatsächlich
in der Lage, diesen unglaublichen Moment die ganze Zeit aufrecht zu erhalten - indem er einfach spielt und Explosionen
von Farben und Klängen hervorbringt.
Das ist die BLUE MAN GROUP...
Chris Wink: Comedy spielt in unserer Show eine sehr wichtige Rolle. Comedy ist eine großartige Möglichkeit,
Leute aus ganz verschiedenen Gruppen zu vereinen. Man kann einen unterschiedlichen Musikgeschmack haben, man kann ein
unterschiedliches Stilempfinden haben, aber gute Comedy ist in der Lage, universell zu sein. Aber wir wollten niemals,
dass unsere Show nur pure Comedy ist. Wir bringen auch etwas auf die Bühne, das fast ein bisschen beängstigend ist.
Vielleicht nicht wirklich beängstigend, aber du siehst ein fremdes Wesen und weißt nicht, was es ist. Das lässt dich
mit einem unbestimmten Gefühl zurück. Es macht dich etwas nervös. Wir wollen, dass die Leute ins Theater kommen, ohne
genau zu wissen, was passieren wird. Denn wenn Comedy als Überraschung kommt, wenn du sie nicht erwartest, dann ist sie
um so vieles wirksamer.
Matt Goldman: Es ist sehr wichtig, dass es bei unseren Shows keine "vierte Wand" gibt. Das gesamte
Theater wird zur Bühne. Es gibt einige Momente, in denen Leute aus dem Publikum auf die Bühne kommen – aber nur dann,
wenn sie es selbst wollen. Es kommt oft vor, dass die Blue Men in den Zuschauerraum gehen, die Wände hoch- und auf die
Balkone klettern. Das jeweilige Publikum hat einen riesengroßen Einfluss darauf, wie die Show am Abend verläuft. Sie kann
sehr unterschiedlich sein - immer abhängig von den Persönlichkeiten, die im Publikum sitzen. Alles ist echt, und wenn
jemand hustet oder etwas anderes passiert, reagiert der "Blue Man" darauf. Das kann den Moment verändern und die Show
in eine völlig neue Richtung lenken. Das ist auch der Grund dafür, weshalb die Leute dazu neigen, immer wieder zu uns
zu kommen - oft auch drei-, vier- oder fünfmal.
Die Entstehung der Show...
Phil Stanton: Zu Beginn der Arbeit am Konzept von BLUE MAN
GROUP haben wir nur versucht, selbst Spaß zu haben. Wir wollten eine Show schaffen, die wir selbst
gerne sehen würden. Wir hatten also keine Ahnung, dass wir damit so viele Menschen ansprechen würden. Wir wussten nicht,
dass es auch Leute interessieren würde, die nicht in unserem Alter sind. Und wir dachten absolut nicht an andere
Nationalitäten oder andere Kulturen.
Die erste Show in New York...
Chris Wink: Wir haben damals in der Performance Art-Szene in New York angefangen, obwohl wir
eigentlich nicht wirklich in diese Welt passten. Wir waren die einzigen, die Comedy gemacht haben. Und dennoch war
diese Szene die einzige, die uns haben wollte. Es war die Art von Welt, die dich alles tun ließ, was du nur wolltest.
Wir kombinierten verschiedene Dinge, die uns interessierten, und machten unsere kleinen Performances. Plötzlich waren
wir eine "Off-Broadway-Erfolgsshow", gewannen jede Menge Preise und waren davon natürlich ganz schön überrascht. Dann
wurden wir zur "Downtown-Manhattan-Show" - die Show, für die jeder ins Village kam um sie zu sehen. Dann kamen die
Touristen vom Times Square zu uns, um etwas von dieser "anderen Seite" New Yorks zu sehen. Sie hatten die großen Shows
am Broadway gesehen und wollten ein wenig vom Underground erleben.
Matt Goldman: Unsere Show war etwas Neues, weil sie nicht auf einer strengen Handlung basierte. Es gab
keine Dialoge und es war sehr schwer, der Presse und all den anderen zu beschreiben, worum es eigentlich ging. Also waren
die Leute am Anfang ein wenig vorsichtig. Aber als dann die ersten gekommen waren, begann in New York dieses Phänomen der
Mund-zu-Mund-Propaganda, das sich über das ganze Land und schließlich über die ganze Welt ausbreitete: "Wenn du nach New
York kommst, musst du in dieses kleine Theater gehen und dir die BLUE MAN GROUP ansehen..."
Die Shows in Boston, Chicago und Las Vegas...
Chris Wink: Einige Jahre nach der Etablierung in New York eröffneten wir Shows in Boston und Chicago,
die eine ähnliche "Off-Broadway"-Atmosphäre hatten und in den eher entlegenen Stadtbereichen stattfanden. Jede Stadt
hat ein Viertel außerhalb der Mainstream-Bereiche mit ihren Großveranstaltungen. In den Gegenden, in denen die
alternativen Bühnen zu finden waren eröffneten wir Theater. 2000 wurde es dann Zeit für uns, eine Show in Las Vegas in
Erwägung zu ziehen. Es war spannend und interessant, an einen Ort zu gehen, der nahezu auf absurde Art und Weise
postmodern ist, wo die Popkultur ihren Höhepunkt erreicht hat. In der Las Vegas-Show gibt es ein Element, in dem sich
der "Blue Man" ein wenig über einige Absurditäten der Popkultur lustig macht und sie doch gleichzeitig feiert. Und es
geht dabei nicht ausschließlich um die amerikanische Popkultur, sondern auch um die internationale. Es geht um diese
überall präsente Popkultur der Massenmedien, in der wir leben und die ihre Absurditäten hat. Gewissermaßen freuen wir
uns also an dieser Situation, diese Hand, die uns nährt, zu beißen - und sie gleichzeitig höflich zu schütteln.
Die Entscheidung für Berlin...
Chris Wink: Einer der Gründe, warum wir nach Berlin gekommen sind, ist, dass viele Deutsche uns baten,
mit der Show endlich nach Deutschland und speziell nach Berlin zu kommen. Als wir in New York mit der ersten Show
begannen, waren sehr viele Deutsche im Publikum. Wir wussten das, weil wir auf dem Weg nach draußen immer in der
Lobby hängen blieben und mit den Leuten redeten. Sie sagten immer: "Ihr müsst wirklich nach Deutschland kommen." Und
wenn wir fragten, wohin in Deutschland man gehen müsse, hieß es sehr oft, dass Berlin die perfekte Stadt für uns wäre.
Phil Stanton: Wir hatten immer das Gefühl, dass die Sicht der Dinge in Berlin unserer sehr ähnlich sein
muss. Ich kann mich daran erinnern, dass bei den Shows in New York nicht nur sehr viele Deutsche im Publikum saßen,
sondern dass die Leute dort immer fragten: "Seid ihr aus Deutschland?". Ich weiß gar nicht, warum sie das dachten,
aber es hat uns immer den Eindruck vermittelt, nach Deutschland kommen zu müssen.
Matt Goldman: Immer wenn man darüber sprach, dass BLUE MAN
GROUP andere Länder außerhalb der USA bereisen könnte, schien jahrelang eindeutig London die beste
Wahl zu sein. Man sprach über die Möglichkeit, nach Amsterdam, nach Australien oder Japan zu gehen. Zweifelsohne möchten
wir all diese Orte besuchen, aber wir wurden auf nahezu unerklärliche Art und Weise erst nach Berlin gezogen. Es handelt
sich nicht um eine intellektuelle Entscheidung. Es ist eine emotionale Entscheidung, unsere erste internationale
Produktion in Berlin zu machen. Berlin hat einfach eine phantastische Ausstrahlung als Stadt: Berlin ist irgendwie
sexy, geheimnisvoll und mystisch. Aus unserer Sicht ist Berlin zurzeit der Mittelpunkt der Kunst und Kultur in
Europa.
Die Berliner Show...
Chris Wink: Wir finden es spannend, die Show für Berlin auf ein anderes Niveau zu bringen. Wir
importieren keine Show aus den USA, die vorprogrammiert ist. Wir haben immer das Ziel, uns selbst herauszufordern.
Für Berlin haben wir neue Szenen erarbeitet, für die wir eine völlig neue Technik entwickelten, Szenen, die sich speziell
auf diese Stadt beziehen. Dazu wurden wir bei unseren Stadtrundfahrten hier inspiriert. Es ist wichtig, dass die Blue
Men immer ein wenig aus ihrer anderen Welt mitbringen, aber auch immer das Flair des Ortes in ihre neue Show einbauen.
Und genau das wird die Berliner Show so besonders machen.
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